Individualreise mit dem Mietwagen durch Südafrika zum Krügerpark


 
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Südafrika, das Land der Träume. Um kaum ein Land ranken sich so viele Mythen. Jeder will einmal hin, aber nur die wenigsten Menschen trauen sich. Wartet hinter jeder Hecke ein bissiger Tieger, wüten furchtbare Krankheiten oder wird man schon erschossen, noch bevor man den Flughafen verlassen hat?
 
Ja man hört viele schlimme Dinge über dieses wunderschöne Land. Die positiven Dinge dagegen sind selbst den eigenen Einwohnern eher unbekannt.
 
Ein paar Monate später holte ich Franzi vom Flughafen ab und wir besuchten den Lions Tierpark mitten in Johannesburg.
 
Ironischerweise konnten wir hier Giraffen mit Futter anlocken und füttern. Auch sahen wir "wilde beest", Antilopen und sogar Krokodile. Zunächst hatte ich gedacht sie seien aus Kunststoff doch dann bewegten sie sich...
 
Auch durch die Zäune nahe gelegener Game Farms konnte man Wildtiere bewundern, die dort zum jagen oder für das Nationalgericht Bilton, getrocknetes rohes Fleisch, gezüchtet wurden.
 
Wir hatten im Vorraus online bei Avis Budget einen Mietwagen mit unbegrenzten Kilometern gebucht. Die meisten Touristen mieten für Afrika einen grossen, schweren 4x4 mit kompletter Ausrüstung für 50 bis 150 Euro pro Tag.
 
Wir dagegen setzten auf das kleinste und leichteste Auto das angeboten wurde. Einen Hyundai i10 für ca. 250 Euro pro Monat. Auch er hatte eine lebenswichtige Klimaanlage aber verbraucht im Gegensatz zu grossen Geländewagen deutlich weniger Sprit, was auf Langstrecken einen grossen Unterschied macht.
 
Unsere Ausrüstung brachten wir selber mit. Einen 20 Liter Kanister mit Wasser, den man an Tankstellen auffüllen konnte zum trinken und duschen so wie Zelt, Isomatten und Schlafsäcke.
 
Auf mein Navi kopierte ich die neuesten Afrikakarten von Openstreatmap. Auf zum Krüger Nationalpark, dem besten Tierpark Afrikas.
 
Auf Anraten meines Kumpels hatten wir für den Mietwagen am Fluhafen zusätzlich eine full cover insurance also eine Vollkaskoversicherung für Glas + Reifen 60 Euro + Karosserie + Diebstahl 70 Euro abgeschlossen. Die Benzinpreise in Südafrika enthalten eine Versicherung bei Personenschäden, den sogenannten "Road accedent fond". Auf Diebstahl hätte ich gerne verzichtet. Das war jedoch nicht möglich. In Südafrika klaut man eher Geländewagen.
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Die Versicherungen zahlten sich schon am ersten Tag aus. In einer engen Kurve fiel eine Kiste mit Kohl von einem LKW, der uns gerade entgegen kam, direkt vor unser Auto.
 
Franzi, die sich noch daran gewöhnen musste auf der linken Seite zu fahren, fuhr voll drauf. Es rumpelte gewaltig. Der ganze Radkasten war voller Kohl.
 
Erst später sahen wir, dass die gesamte Felge hinter der Radabdeckung verbogen war. Der Unfallverursacher war natürlich einfach weiter gefahren.
 
Um soetwas in Zukunft zu verhindern, erhöhten wir den Luftdruck der Räder auf 3 Bar. Ansonsten hat selbst ein übersehenes Schlagloch das Potenzial, die Felge unseres kleinen Wagens zu verbiegen.
 
Schlaglöcher sind in Afrika ganz normal und kein Grund vom Gas zu gehen oder gar eine Strasse wie im ängstlichen Deutschland komplett zu sperren. Man muss hier einfach bisschen Slalom fahren dann passt das schon.
 
Wir fuhren abseits der mautpflichtigen Autobahn weiter. Auch wenn sonst niemand Maut bezahlt, würde die Mietwagenfirma das Geld trotzdem von uns verlangen.
 
Ein paar hundert Kilometer weiter waren plötzlich lauter bunt gekleidete Menschen auf der Strasse unterwegs. Wir hielten auf einen kleinen lokalen Markt, kauften Melone und lecker gegrillten Fisch. Die Leute waren sehr freundlich und erstaunt darüber, das hier Weisse an hielten.
 
Gegen Abend folgten wir einer Gravelroad und schlugen unser Zelt an einem kleinen Bach auf. Eine willkommene Abkühlung nach dem heissen, staubigen Tag.
 
Gegen 5 Uhr packten wir alles wieder zusammen und kamen bei Sonnenaufgang um 6 Uhr am Phabeni Gate vom Krügerpark an. In Südafrika gibt es keine Winterzeit. Der Park öffnete. Ob man uns hinein lassen würde?
 
Die Supermärkte in der Nähe waren alle noch geschlossen. Park Ranger kontrollierten unseren Kofferraum und fragten, ob wir rohes Fleisch oder eine Drohne dabei hätten. Diese sei im Tierpark verboten.
 
Am Gate wurde das Südafrikanische Kennzeichen unseres Wagens registriert. Ich zeigte das südafrikanische ID Book meines Kumpels vor. Franzi habe ihren Pass vergessen.
 
Genau wir für uns Weisse alle Schwarzen gleich aus sehen, sehen für die Schwarzen auch wir Weisse alle gleich aus.
 
Es funktionierte. Wir kamen für nur 160 Rand in den Park. Ausländer wie wir müssten normalerweise den bis zu 10 fachen Eintrittspreis bezahlen. Rassismus und Diskriminierung sind ausserhalb der EU völlig normal.
 
Wir folgten der asphaltierten Strasse in den Park hinein. Der Krüger Tierpark ist fast so gross wie die Schweiz. Man darf das Auto nicht verlassen und muss vor Torschluss entweder in einem der meist ausgebuchten Camps sein oder den Park verlassen haben.
 
Schon nach wenigen Kilometern entdeckten wir die ersten Tiere. Es war beeindruckend zu sehen, dass sich selbst Elefanten und Giraffen so gut tarnen können, dass man sie fast übersieht.
 
Ist das eine Wurzel oder ein Nilpferd? Auch hier half manchmal nur das Zoom der Kamera weiter.
 
Auch Nashörner, die man eigentlich nur sehr sehlten sieht da sie von Wilderern fast ausgerottet werden, sahen wir einige. Es ist absolut unverständlich, warum viele Chinesen Nashornhornpulver als Potenzmittel sehen.
 
Gegen Abend machte ich einen Navigationsfehler. Mein Navi zeigte einen Ausgang aus dem Krügerpark, den es nicht gab.
 
Erst als wir uns eine halbe Stunde vor Torschluss dort ein fanden, bemerkte ich diesen Fehler. Das nächste Gate war noch mehr als 30 Kilometer entfernt.
 
Um einer Strafzahlung zu entgehen, rasten wir die letzten Kilometer mit weit überhöhter Geschwindigkeit durch den Park, hupten Elefanten und Nielpferde weg, drifteten auf Schotterwegen um Kurven und legten immer wieder Vollbremsungen ein, wenn Impalas wie Rehe plötzlich vors Auto sprangen.
 
3 Minuten vor Torschluss erreichten wir das richtige Gate. So viel Glück an nur einem Tag. Toll.
 
Unser Zelt schlugen wir bei absoluter Dunkelheit im Scheinwerferlicht unseres Autos mit Erlaubnis des Besitzers an einer nahe gelegenen Kompostieranlage auf.
 
Am nächsten Morgen besichtigten wir Marloth Park, ein kleines Dorf direkt neben dem Krügerpark, dass jedoch auch wenn das Navi es anzeigt KEINE direkte Verbindung hat.
 
Ein grosser Fluss mit Krokodilen, die man durch den hohen Maschendrahtzaun beobachten kann, bildet die Grenze.
 
Das kleine Dort ist ebenfalls umzäunt. Zwischen den einzelnen Häusern laufen ungefährliche Wildtiere wie Strausse, Impalas, Wildschweinchen aber auch Giraffen frei herum. Wirklich sehenswert.
 
Vorbei an Bananenplantagen, in denen die Bananen aus Schutz vor Schädlingen und damit sie schneller reifen in Tüten wachsen, ging es nach Süden.
 
Die Durchquerung von Swaziland kostete 50 Rand und vier Stempel in meinem bereits sehr vollen Reisepass.
 
Eigentlich hätte die Mietwagenfirma für eine Vollmacht zur Grenzüberschreitung weitere 900 Rand verlangt. Solch eine Vollmacht wollte aber kein Grenzbeamter sehen.
 
Am Wegrand wurden immer wieder die Blätter riesiger Zuckerrohrfelder abgefackelt, bevor die Zuckerrohrstangen dann von Hand geerntet und verladen wurden.
 
Auch der Müll wurde in vielen Dörfern einfach verbrannt. Beides erzeugt dunkle Rauchsäulen, die Kilometer weit sichtbar sind.
 
Wir legten immer wieder Pausen ein, um etwas leckeres zu essen, wenn am Wegrand der üblen Schlaglochpiste etwas angeboten wurde.
 
Inzwischen bieten auch Supermarktketten wie Shoprite oder Pick&Pay ihren Kunden eine warme Theke, an denen man sich verpflegen kann.
 
Das Mitbringen eines Kochers ist nicht nötig, auch wenn es die gleichen kleinen Gaskartuschen wie in Deutschland auch hier zu kaufen gibt.
 
Oft bekommt man Milipub, kurz Pub genannen Maisbrei, mit einem Hühnchenbein oder mit Gulasch für nur 19 Rand also 1,50 Euro.
 
Ein Kilo Äpfel für 1 Euro so wie Toastbrot, Erdnussmus, Nüsse und Bilton für den Notfall. Wozu da noch selber kochen?
 
Auf vielen Märkten werden hier die Second-Hand Klamotten verkauft, die in Europa an vermeintlich wohltätige Organisationen gespendet werden. Hier findet man an allen Ständen ausschliesslich bunt zusammen gewürftelte Einzelstücke. Spenden kommen nie wirklich bei den kleinen Leuten an.
 
50 Kilometer vor Sankt Lucia suchten wir uns einen ungestörten Platz zum zelten. Soetwas findet man nicht in Grossstädten. Am nächsten Morgen buchten wir einen Bootssafari für Franzi und besuchten den dschungelähnlichen Wetland Tierpark wie der Name schon sagt bei Regen. Der Eintritt war auch für Ausländer günstig. Jedoch erhielt ich wie an den meisten Tankstellen zunächst zu wenig Wechselgeld. Erst auf Nachfrage "oh sorry" rückte der Kassierer den richtigen Betrag heraus.
 
Entlang des 40 Kilometer langen Hauptweges gab es immer wieder Abzweigungen, die zu Wasserlöchern, schönen Sehenswürdigkeiten oder dem Ozean führten.
 
Aus dem Autofenster konnten wir Krokodile, Wildschweinchen, Antilopen, Hippos, Nashörner mit Jungem, Zebras und Büffel fotografieren. Gelegentlich durfte man das Auto sogar verlassen, um einen kleinen Weg entlang zu wandern.
 
Uns hat der Park selbst bei Regen sehr gut gefallen. Franzi war besonders vom stürmischen Wetter und den tosenden Wellen des Ozeans angetan.
 
Am Abend wollte ich unser Zelt versteckt in einer Plantage aufschlagen. Gerade in dicht besiedelten, touristischen Gegenden wie Sankt Lucia mit vielen Hotels ist es nicht einfach, einen Platz zum wild zelten zu finden.
 
Erst als ich die Geschwindigkeit des Autos auf dem Waldweg verringerte um rechts ins Gebüsch ab zu biegen, merkte ich wie weich der Sand war, und blieb prompt stecken.
 
Weder vor noch zurück, nichts ging mehr. Es goss in Strömen und war pech schwarze Nacht. Wir wollten das Problem jedoch am selben Tag noch lösen, damit Franzi am nächsten Morgen ihre Bootstour nicht verpasst.
 
Mit einer Taschenlampe bewaffnet wanderten wir zurück zur Hauptstrasse. Normalerweise hällt in Südafrika niemand nachts an, um Tramper mit zu nehmen.
 
Als eine Dame jedoch erkannte dass wir weisse Touristen waren, legte sie den Rückwärtsgang ein und nahm sie uns mit zurück ins Dorf zu anderen weissen. Schnell fand sich jemand mit einem Geländewagen, der unseren Wagen wieder aus dem Schlamasel zog.
 
Gleichzeitig erhielten wir die Einladung, unser Zelt im trockenen unter ihrem Carport innerhalb eines hohen Zaunes auf zu schlagen. Im Wald zu zelten sei viel zu gefährlich.
 
Auf meine Frage hin warum es denn zu gefährlich sei verwiesen unsere Gastgeber zunächst auf die übliche Kriminalität auf Grund der unkontrollierten Vermehrung aber auch darauf, dass Hippos in der Nacht aus dem Tierpark bis in die Städte kommen würden.
 
Wie bitte? Ich hielt das für einen Scherz oder ein Geschichte aus Grossmutters Zeiten.
 
Nein. Spontan entschlossen sich unsere Gastgeberin zu einer Stadtführung. Wieder mit Taschenlampen bewaffnet fuhren wir durch die Strassen.
 
Plötzlich hielt sie an und griff in einen Busch. Was sie dort hervor holte war kein Hippo, sondern ein winziges Chamäleon. Wie kann man so ein kleines Tier während der Autofahrt durch die Dunkelheit entdecken?
 
Vorsichtig setzte sie es zurück auf sein Blatt. Da vorne. Seht nur. Sie deutete auf ein Buschbaby, dass uns mit seinen grossen Augen an glotzte. Echt Süss :-)
 
Der Höhepunkt der Stadtführung durch Sankt Lucia war jedoch der Sportplatz. Als sie schwungvoll einparkte und dabei die Scheinwerfer ihres Autos über die Rasenfläche streiften sahen wir sie tatsächlich: friedich grasende Nilpferde mitten in der Stadt.
 
Vom Wetland Park aus fuhren wir Richtung Lesotho. Wir wollten den berühmten Sani Pass hinauf in das kleine Königreich fahren. Ein Geländewagen hatte es eiliger als wir. Er überholte uns und zack, hatten wir einen Steinschlag in der Frontscheibe. Danke.
 
An der Landesgrenze hielten uns die südafrikanischen Grenzbeamten auf. Der Sanipass sei nur für Allradfahrzeuge gestattet. Ich bin ihn damals mit meinem Motorrad problemlos gefahren.
 
Erfreulicherweise erlaubte man uns jedoch, nach Torschluss um 18 Uhr direkt an der Grenze zu campen. Was mich nicht freute, waren die weiteren Stempel in meinem Pass. Wir kommen doch eh wieder zurück.
 
Wir parkten also unser Auto mit Zelt & co im Niemandsland und wanderten zu Fuss durch die Drachenberge.
 
Immer wieder überholten uns Geländewagen voll übergewichtiger Touristen. Die Sanipass Tour scheint sich gut zu verkaufen.
 
Die unterste Hälfte nach der Grenze wäre problemlos auch mit unserem PKW zu befahren gewesen. Erst ganz oben wurde es grenzwertig.
 
Oben in Lesotho begrüsste sich eine frisch asphaltierte Strasse. Noch vor wenigen Jahren war hier alles Gravel gewesen.
 
Wir erreichten die Grenze noch vor Torschluss und campierten und duschten ungestört beim Fluss am Fusse des Sani Passes.
 
Nun ging es weiter in die Transkei, die von Einheimischen auch Wildeness genannt wird. Der Name ist bezeichnend.
 
Während Südafrika eigentlich recht zivilisiert und fast Europäisch langweilig ist, ist die Wild Coast noch sehr ursprünglich. Am Wegrand Schilder: Dont feed the monkeys.
 
Die Leute leben in traditionellen Rundhüttchen aus Lehm, kleine Steinhäuschen aus selbst gebrannten Ziegeln oder modernen Schecks aus Wellblech.
 
Die Strassen wurden immer schlechter. Von Wind und wetter ausgewaschen, bildeten sich tiefe Rinnen und millionen von Schlaglöchern.
 
Das störte die Bewohner aber anscheinend nicht. Arbeiten scheint hier ein Fremdwort zu sein. Statt dessen bettelte man uns an.
 
Wo auch immer wir hin kamen, rannten schaare von Kinder auf uns zu. Sweets sweets sweets. Alle wollten Süssigkeiten geschenkt haben. Tausende. Ohne Gegenleistung. Selbst erwachsene Frauen, natürlich mit Baby auf dem Rücken, belästigten uns. Sehr unangenehm.
 
Es gab weder Tankstellen noch Supermärkte, nur einige mit dicken Gittern gesicherte Chinesenläden, in denen Maisgries in 50 kg Säcken verkauft wurde. Das tägliche Essen.
 
An einem etwas abgelegenen Ort etwas ausserhalb fragten wir, ob wir unser Zelt aufschlagen dürfen und verteilten unsere Sweets.
 
Man bot uns sogar eine Rundhütte zum übernachten an, was wir jedoch dankbar ablehnten. Wir wollten nicht weiter auffallen.
 
Das schlug jedoch fehl. Aus dem Buschfunk also dem Geschrei wenn sich Kinder mangels Telefon von einem Berg zum Anderen in Xhosa etwas zu rufen entnahmen wir die Worte Molungo.
 
Es wurde also allen bekannt gegeben, dass hier ausnahmsweise einmal Weisse zu Gast waren. Trotzdem waren die Leute sehr freundlich und erfreut, als wir sie wegen ihrer Freundlichkeit auch ohne Dusche oder Wifi wie einen normalen Campingplatz bezahlten. Nur bettelei mag ich gar nicht.
 
Unser Navi zeigte uns den Weg zum Hole in the Wall einem Felsen im Meer, mit einer durchgehenden Höhle. Ein Touristenhotspot.
 
In der sicheren Umzäunung eines noblen Hotels in der Nähe parkten wir unser Auto und nutzten das offene WLan, bevor wir uns auf den Weg machten.
 
Schon direkt am hohen Zaun lungerten einige zwielichtige Gestalten herum und warteten nur darauf, dass ihre Opfer das Hotel verliessen.
 
Kaum sichteten sie einen Tourist, stürzten sich die aufdringlichen Führer auf einen und quatschten einen zu. Mein freundliches "no thank you" wurde ignoriert.
 
Ich versuchte auch meinen "Führer" zu ignorieren aber er quatschte mich weiter voll und wollte Geld geschenkt. Nein ich bezahle dir kein Bier.
 
Als Freundlichkeit nicht weiter half baute ich mich dicht vor ihm auf, deutete mit einer Handbewegung an dass er zurück gehen soll und holte aus. Das half. Endlich waren wir alleine.
 
Wenig später trafen wir ein Pärchen, die ebenfalls ohne Guide unterwegs waren. Ich fragte wie sie es geschafft hatten, diese lästigen Kerle los zu werden, doch sie verstanden keinerlei Englisch. So geht das also *lach*
 
Der Felsen mit dem Loch ist schon einen Besuch wert. Er hält die starke Brandung ab, so dass man vor ihm wunderbar in einer kleinen Lagune schwimmen kann. Man muss nur unbedingt sein Zeug im Auge behalten.
 
Da die Hotelpreise unser tägliches Budget weit überschritten, verliessen wir diesen sicheren Ort gegen Abend, um unser Zelt versteckt irgendwo hinter einer Hecke auf zu schlagen.
 
Versteckt zu zelten ist in der Transkai jedoch unmöglich. Das Gebiet ist viel zu dicht besiedelt. Schon nach wenigen Minuten kamen die ersten Kinder an gerannt und fragten nach Sweets.
 
Ihr Vater erlaubte uns jedoch freundlich, unser Zelt auf einer Wiese auf zu stellen. Die Kinder hatten noch nie zuvor ein Zelt gesehen.
 
Aus dem Fernsehen kannten sie jedoch die coolen Posen der Musikstars. Ein Kind besass sogar ein Handy und fotografierte ebenfalls fleissig *lach*
 
Dann fing es an zu regnen. Die Kinder verschwanden. Es regnete die ganze Nacht. Am Morgen war der weisse Stoff des Zeltes voller Zecken.
 
Wir wollten die Küste entlang zu einem Schiffswrack fahren. Durch den starken Regen hatte sich die Strasse jedoch in die reinste Matschpiste verwandelt.
 
Eine kleine Steigung kam ich einfach nicht hinauf. Ich probierte es vorwärts, dann rückwärts dann rückwärts mit viiiiiel Schwung und offenem Kofferraum, um durch die beschlagenen Scheiben hindurch sehen zu können. Vergebens.
 
Das Auto drohte entweder in den Graben auf der einen Seite oder den steilen Abhang auf der anderen Seite hinab zu rutschen.
 
Als wir ausstiegen um zu Fuss nach zu sehen was hinter der nächsten Kurve kommt, fielen wir fast hin, so rutschig war die Strasse. Unser Auto sah durch den vielen Matsch auch an unseren Schuhen aus wie Sau.
 
So mussten wir also notgedrungen einen Umweg von 150 km fahren, um 30 km Matschpiste zu umgehen. Eine tagesgenaue Routenplanung ist in Afrika eh nicht möglich. Immer genügend Sprit und Essen dagegen sehr wichtig.
 
Zum Glück fanden wir unterwegs eine Tankstelle und ein Restaurant, das lecker Reis mit Hühnchen vorrätig hatte. Dass es durch das Dach in eine dafür aufgestellte Tonne hinein regnete, störte uns nicht. Wegen Stromausfall sorgten Kerzen für eine romantische Stimmung.
 
Die Wanderung zum Schiffswrack selber war eher eine Enttäuschung. Das Wrack war vor 10 Jahren noch eine echte Attraktion, die stete Flut hat es aber inzwischen vernichtet, so dass fast nichts mehr davon zu sehen ist.
 
Statt dessen trafen wir in einer kleinen Ferienhaussiedlung Südafrikaner, die uns spontan auf traditionellen Stew Eintopf mit Fleisch einluden und unseren Geschichten lauschten. Wegen der schlechten Strassen dorthin parkten wir unser Auto für 20 Rand bei jemand anders.
 
In East London sorgte ein gestrandeter, toter Wahl für viel Aufsehen. In Port Elizabeth war der Addo Elephant Park einen Besuch wert. Die Gardenroute war ansonsten eine eher unspektakuläre, teils mautpflichtige Autobahn. Wir beschlossen auf die Fahrt nach Namibia und Botswana zu verzichten, um nicht mehr so rasen zu müssen. Statt dessen wollten wir langsamer reisen und unsere Reise mehr geniessen.
 
Bei Oudtshoorn wollten wir erneut zelten. Leider war alles Farmland eingezäunt. Auch die Zufahrten zu den Farmen waren verrammelt, da in letzter Zeit immer wieder weisse Farmer von Schwarzen ermordet wurden. Einfach so.
 
Als wir schliesslich eine Farm erreichten und fragen wollten, kam ein bissiger Hund auf uns zu geschossen und machte einen höllen Lärm. Wir blieben sicherheitshalber im Auto.
 
Durch das Gebell gerufen kam der Farmer, die Waffe im Anschlag. Ob wir irgendwo unser Zelt aufschlagen düften?
 
Nein wir seihen herzlich willkommen, sollen nur noch kurz im Auto warten. Rasch sperrte er den gefährliche Hund weg. Dann bat er uns herein.
 
Zelten sei viel zu gefährlich aber er habe ein schönes Gästezimmer. Sein Sohn von gegenüber brachte frisch gegrilltes Fleisch vorbei und schenkte uns einen Gutschein für eine Bootsfahrt in Kapstadt, der ansonsten bald verfallen würde.
 
Seine Frau brachte frische Klamotten. Die sollten wir tragen, während sie unsere anderen Sachen in die Waschmaschine steckte.
 
Am Morgen müssten sie leider früh weg, wir sollten dann einfach aus ihrem Kühlschrank Frühstücken und die Türe hinter uns zu ziehen. Wow. So viel Gastfreundschaft machte uns platt.
 
Der Farmer erzählte uns von diversen schlimmen Dingen, die in der Gegend passiert seien und die er im TV gesehen habe. Nach seiner Schilderung würden wir Kapstadt nicht überleben.
 
Bevor wir schon sterben, wollten wir jedoch noch die Cango Caves besichtigen. Schon auf dem Weg dort hin kamen wir an zahlreichen Straussenfarmen vorbei.
 
Es gab auch eine Gamefarm mit Giraffen und Zebras, die man ohne Eintritt füttern konnte.
 
Vor den Tropfsteinhölen gab es tausende beegte Parkplätze mit Gards. Wow hier war was los. Jede Stunde konnte man eine normale Tour oder eine sogenannte Adventure Tour buchen.
 
Die Adventuretour kostete 165 statt 120 Rand (also 10 Euro) und führt viel tiefer in den Berg hinein. Hin und wieder wird der Weg dabei so schmal, dass man klettern oder kriechen muss. Das war doch was für uns.
 
Mit frisch gewaschenen Kamotten robten und kletterten wir mit 20 anderen Touristen und unserem Guide durch die riesige, toll beleuchtete Höhle. Was für ein Naturschauspiel. Echt super! Gerne hätte ich mehr Zeit zum fotografieren gehabt.
 
Gegen Abend wollte ich noch ein paar hundert Kilometer schaffen. Hermanus ins Navi und los gings, zunächst mit 100 km/h eine staubige Schotterstrasse entlang, bis wir schliesslich wieder die Gardenroute erreichten.
 
Auf einer Farm erhielten wir erneut die Erlaubnis zu zelten und die Akkus unserer Kameras auf zu laden.
 
Am Morgen besichtigten wir Camphill Hermanus und anschliessend die Küste und waren erstaunt.
 
Hier gab es nicht nur ein Schiffswrack sondern sogar eine ganze Pinguin Kolonie, die die 20 Rand Eintritt allemal wert waren.
 
Neben zahlreichen Eidechsen in allen möglichen Farben lebten hier auch Kormorane. In der Sonne lag ein Säugetier mit seinen Jungen.
 
Da wir seine Bezeichnung nicht kannten, nannten wir ihn einfach den Hermanesischen Küstenfuchs. Ich denke das beschreibt ihn ganz gut.
 
Irgendwann erreichten wir Capetown und passierten den bekannten Strand muizenberg beach mit den vielen bunten Strandhäuschen.
 
Am Wochenende war er total überlaufen aber unter der Woche angenehm leer.
 
In Fishoek durften wir bei Freunden übernachten und lecker Fish & Chips mit Essig essen. In Simonstown wohnten ebenfalls Pinguine, Kormorane und ein hermanesischer Küstenfuchs. Deren Besichtigung kostete jedoch deutlich mehr Eintritt.
 
Dann wollten wir den Tafelberg hinauf wandern. Leider war er nicht zu sehen. Dichte Wolken bedeckten Kappstadt.
 
Spontan änderten wir unseren Plan und lösten unseren Gutschein für die Hafenrundfahrt ein. Neben zahlreichen Fischkuttern konnte man ein paar Robben und Kormorane sehen.
 
Auf dem Weg zurück nach Fishhoek kamen wir in den schlimmsten Berufsverkehr den man sich vorstellen kann. Über Stunden ging quasi gar nichts mehr.
 
Agressive Bus und Taxifahrer kämpften um jeden Zentimeter. Obwohl es nicht passte, drückte sich einer an mir vorbei und zerkratzte dabei absichtlich die Seite unseres Mietwages, nur um 3 Meter weiter nach vorne zu kommen.
 
Schnell stieg ich aus, fotografierte seine Disk und winkte einem Polizisten aus der Nähe heran.
 
Wie schon vermutet interessierte den das jedoch gar nicht. Polizisten wollen immer nur Geld. Von wegen Freund und Helfer.
 
Zum Glück haben wir unsere Versicherung. Nach 3 Stunden erreichten wir das 30 Kilometer entfernte Fishhoek.
 
Das Cape of good hope war ebenfalls eine Sehenswürdigkeit, die Franzi im Gegensatz zu mir noch nicht kannte und darum unbedingt sehen wollte.
 
Mich schreckte vor allem der hohe Eintrittspreis ab. Um den zu halbieren, packte ich Franzi kurzer hand in den Kofferraum, während ich die Grenze des Nationalparks passierte.
 
Im Park konnten wir wilde Affen und Strausse besichtigen. Wir folgten Wegen, die mit "no entrance" ausgeschildert waren und liessen uns auch von Gates mit Natodraht nicht auf halten.
 
Ziel war der Leuchtturm ganz vorne am Kapp der guten Hoffnung. Von dort aus können mutige Insider eine weitere Robbenkolonie sehen.
 
Nach so vielen Tagen im Auto war es wirklich schön, wandern zu gehen. Wir liessen den Tag an eine schönen Sandstrand ausklingen und fuhren dann zu einem Freund, den ich bei einer meiner anderen Reisen zuvor über Couchsurfing kennen gelernt hatte.
 
Hier lernte ich Steven Hofmann aus Deutschland kennen, der zuvor mit seiner gesponserten Suzuki VStrom 650 unterwegs war. Small world.
 
Am nächsten Tag unternahmen wir einen erfolgreicheren Versuch auf den Tafelberg zu wandern.
 
Wir parkten unser Auto hinter der Seilbahnstation. Während sich davor hunderte Autos drängelten, gab es hinter der Seilbahn hunderte freier Parkplätze.
 
Dann begannen wir den Aufstieg. Die Sonne schien und wir waren froh, genügend Wasser mit dabei zu haben.
 
Über grosse Stufen und vielen steinigen Serpentinen ging es immer weiter hinauf.
 
Je höher wir kamen, das do kälter wurde es. Schliesslich verschuckte uns kurz vor dem Ziel eine dicke Nebelfront.
 
Da wir unsere Jacken im Aut gelassen hatten, froren wir jämmerlich.
 
Beim Abstieg wurde uns jedoch wieder schön warm...vom üblichen Feierabendstau danach mal ganz abgesehen.
 
Franzi wollte auch den Kirstenbosch Pflanzengarten sehen, nachdem ich ihr erzählt hatte wie schön es dort war. Private Gärten in Kappstadt durften wegen der anhaltenden Dürre nicht mehr bewässert werden.
 
Von hier aus hätte man ebenfalls auf den Tafelberg wandern können. Der Weg ist zwar weniger steil aber deutlich länger.
 
Da ich jedoch wusste dass der Garten aus Richtung des Tafelbergs nicht eigezäunt ist, wanderten wir einfach nach hinten und mussten so keinen Eintritt bezahlen.
 
In Kapstadt verbrachten wir einige entspannte Tage, bevor wir einen neuen Versuch unternahmen, das kleine Königreich Lesotho zu besichtigen.
 
Auf dem Weg dort hin fing die Lenkung unseres Autos plötzlich stark an zu vibrieren. Nach tausenden Kilometern machte sich die Unwucht der Felge bemerkbar. Der Reifen erhitzte sich stark und das Profil war an einer Stelle stark abgenutzt. Schnell tauschte ich das Rad selber, statt auf unseren inklusive Pannendienst zu warten.
 
Die Einreise nach Lesotho war von Westen kommend diesmal gar kein Problem. Erneut ein paar unnötige Stempel im Pass + 25 Rand Maut und wir waren im Land.
 
Überall waren gute Asphaltstrassen. In den letzten Jahren hatte sich viel verändert. Die Menschen jedoch waren immernoch so freundlich wie damals.
 
Niemand bettelte uns an oder fragte nach Sweets. Statt dessen bot man uns frische Aprikosen an, die direkt auf Bäumen am Wegesrand wuchsen.
 
Der Dorfälteste eines kleinen Dorfes erteilte uns die Erlaubnis, unser Zelt neben einem der Hütten auf zu schlagen.
 
Wie üblich kamen auch hier zahlreiche Kinder an gerannt und sahen uns dabei zu, wie wir das Zelt auf schlugen.
 
Eine Lehrerin übernahm die Aufsicht und erstickte im Keim, als doch einige der Kinder anfingen zu betteln.
 
Statt dessen schlug sie eine Dorfführung vor und zeigte uns die alten, traditionellen Lehmhütten, in denen noch ihre Väter gewohnt hatten.
 
Das Bild der Lehmhüttchen vor den grossen Felsen bei untergehender Sonne war so schön dass es fast schon kitschig war.
 
Die Kids hatten jedoch ihren Spass daran und posierten immer wieder neu, um sich dann unter grossem Gelächter selbst auf dem kleinen Bildschirm unserer Kameras wieder zu erkennen.
 
Gegen Abend drehten wir die Musik unseres Autoradios voll auf und alle fingen an zu tanzen.
 
Plötzlich kam von irgendwo her ein Ball, der aus Lumpen und ein paar Plastiktüten bestand. Damit wurde anschliessend Ball geslielt. Wir waren froh, noch genügend Essensvorräte dabei zu haben um das halbe Dort ernähren zu können.
 
Nach Einbruch der Dunkelheit schickte die Lehrerin die Kinder nach Hause, so dass wir uns ungestört in unser Zelt zurück ziehen konnten.
 
Leider besitzt das Dorf keine Adresse geschweige denn Internet, an die wir einige Fotos hätten schicken können. Mit Geld alleine kann man seine Dankbarkeit nicht ausdrücken.
 
Es war ein wirklich schöner letzter Abend in Afrika. Wir werden wieder kommen und einen Ball und Altkleider mit bringen. Es braucht so wenig, um manche Menschen glücklich zu machen :-)
P.S. Am Flughafen interessierte man sich bei der Rückgabe unseres Mietwagens weder für die zerstörte Felge noch die Kratzer im Lack oder den Steinschlag.
Die gesamte 6000 km lange Reise hat 1000 Euro pro Person gekostet inklusive Flug, Mietwagen und Essen. Soweit meine Meinung. Sämtliche Handlungen sind frei erfunden. Alle Angaben ohne Gewähr.
 

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